Alles nur geklaut?! Urheberrecht im Web.

Christoph Jakob im Portrait
Von Christoph

Mein Profilbild, die Songs der Beatles, Titanic, Goethes Faust und sogar das Theaterst√ľck meines Nachbarn: all diese Werke genie√üen urheberrechtlichen Schutz.
Doch was ist mit der Website, die ich selbst aufgebaut und gestern veröffentlicht habe? Was passiert, wenn mein größter Konkurrent ungeniert mein Layout oder gar meine Entwicklung kopiert?

Kurz gefragt: Kann ich meine Website sch√ľtzen?

Damit ein Urheberrecht zustande kommt, muss das zu sch√ľtzende Werk eine pers√∂nlich geistige Sch√∂pfung sein. Diese zeichnet sich im Wesentlichen durch vier Kriterien aus:

  1. Ist das Werk von einem Menschen geschaffen worden?
    Klar, denn ich habe meine Website ja selber konzipiert und realisiert.
  2. Hat das Werk geistigen Gehalt?
    Wie sinnvoll oder intellektuell anspruchsvoll der Inhalt auf meiner Seite ist, zählt hier nicht. Wichtig ist jedoch, dass ich mir "etwas dabei gedacht" habe.
  3. Hat das Werk die erforderliche Form?
    Ja, denn die Website ist nicht nur auf dem Papier skizziert, sondern bereits technisch implementiert und abrufbar.
  4. Erreicht das Werk eine bestimmte Gestaltungs- oder Schöpfungshöhe?
    Genau hier liegt das Problem. Habe ich etwas gebaut, "was jeder so bauen w√ľrde", oder unterscheidet sich mein Webauftritt durch besondere Gestaltung und Funktionen ma√ügeblich von anderen?

Pauschal kann nicht gesagt werden, ab wann eine Arbeit kreativ genug ist, um gesch√ľtzt werden zu k√∂nnen.

Hier entscheidet das Gesetz von Fall zu Fall anders. Ein nachgeahmtes Layout oder auch der gleiche Navigationsstil bergen in den meisten F√§llen keine Gefahren im rechtlichen Sinne, da die Frage der Gestaltungs- bzw. Sch√∂pfungsh√∂he eine reine Geschmacksfrage ist.

So erreicht das Layout f√ľr die angedachte Website fast nie die erforderliche Sch√∂pfungsh√∂he, sodass es durch das Urheberrecht gesch√ľtzt w√§re. Sollte eine Website tats√§chlich aufgrund ihres Layouts und ihrer Form urheberrechtlich gesch√ľtzt werden, ist es allenfalls eine "Kleine M√ľnze". Als Kleine M√ľnze werden solche Werke bezeichnet, die gerade so an der Grenze zur Schutzunf√§higkeit kratzen, aber trotzdem noch die Anforderungen des urheberrechtlichen Werkbegriffs erf√ľllen.

Ebenso l√§sst sich der Code im Backend nur schwer sch√ľtzen. Nach ¬ß2 des UrhG gelten "Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme" zwar zu den gesch√ľtzten Werken, jedoch fallen HTML-Quelltexte sowie CSS-Stylesheets nicht unter diesen Schutz, da sie weder (Skript-) Sprachen noch Datei-Programme darstellen. F√ľr viele Entwickler ganz klar ein Dorn im Auge! Lediglich, wenn Programmierarbeiten Einzigartiges schaffen und keine Routinearbeiten sind, k√∂nnen Codes in Websites (z.B. JavaScript) gesch√ľtzt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Gestaltungshöhe bei Websites ein sehr hohes Maß erreichen muss, um dem gesetzlichen Schutz zu unterliegen. In Zeiten von Content-Management-Lösungen und etablierten gestalterischen Mustern werden damit die meisten Websites vom Schutz ausgeschlossen.

Augen auf bei der Content-Pflege!

Im Gegensatz zur Website als Ganzes muss beim Inhalt akribisch darauf geachtet werden, welche medialen Bausteine verwendet werden. Bilder sind immer urheberrechtlich gesch√ľtzt, wobei das zweite Kriterium der pers√∂nlich geistigen Sch√∂pfung (geistiger Gehalt) hier keinen Einfluss nimmt.

Aber auch bei Texten ist Vorsicht geboten. Nicht jeder Text ist schutzf√§hig, wie beispielsweise Schlagzeilen oder Titel. Es k√∂nnen jedoch l√§ngere, individuelle literarische Werke gesch√ľtzt werden.

Das Urheberrecht in Deutschland garantiert einen gesetzlichen Schutz bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Wer nicht so lange warten will, kreiert sämtliche Inhalte am besten auf eigene Faust.

Sie m√∂chten mehr √ľber das "Gesetz √ľber Urheberrecht und verwandte Schutzrechte" erfahren? Hier k√∂nnen Sie sich durch den Paragraphen-Dschungel hangeln.

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