WordPress 5 und Gutenberg - Der Sprung ins kalte Wasser

Christoph Jakob im Portrait
Von Christoph
Das WordPress Logo vor einem blauen Hintergrund auf dem verschiedene Buchstaben abgebildet sind

Bebo“ – So heißt die nun 5. Version des vielseitigen Content Management Systems, mit der WordPress den Sprung ins Jahr 2019 gewagt hat (veröffentlicht am 06.12.2018). Ein Sprung, mit dem die Entwickler hinter dem CMS viel Aufmerksamkeit und Kritik geerntet haben, denn die Besonderheit des „Major Updates“ stellt ganz klar der neue Editor „Gutenberg“ dar.

Wo damals noch ein kleines Fenster darauf gewartet hat, mit HTML, Texten und Shortcodes befüllt zu werden, empfängt Gutenberg den Redakteur nun mit einem modernen Aussehen und ganz viel Weißraum.
Sinn und Zweck ist die Benutzung von Blöcken anstelle eines langen Quelltextes um Inhalte zu strukturieren, einzeln zu bearbeiten und verschiebbar zu machen. Dabei soll Gutenberg keineswegs ein Page-Builder sein, sondern nur den Fokus – weg von HTML-Code – darauf legen, worauf es beim Content Management ankommt, nämlich auf den Inhalt.

„Publishing demokratisieren“

Matt (Matthew) Mullenweg, Initiator und Kopf des CMS-Alleskönners WordPress spricht davon, „dass Gutenberg sie näher an ihr Ziel bringt, Publishing für alle zu demokratisieren“. Das über allem stehende Ziel sei die Vereinfachung des Benutzererlebnisses beim Erstkontakt mit dem System, besonders für nicht Web-affine User.

Eine Veränderung ist für das WordPress-Backend auch sicher nicht von Nachteil: Der bisherige Text-Editor hat in seiner grundlegenden Form mittlerweile 11 Jahre auf dem Buckel, in denen sich viel verändert hat. Vor allem die Multimedialität hat zugenommen; wo früher schon aus technischer Sicht (Bandbreite, Leistungsfähigkeit der Geräte) nur Textinhalte für einen Blogpost denkbar waren, werden heute ganze Bildergalerien verwendet oder Videos eingebunden. Um eben solche Medienelemente besser zu handhaben ist die Wahl auf einen Editor wie Gutenberg gefallen.

Ein kleiner Schritt für den User. Und ein kleiner für den Entwickler?

„With blocks, people will be able to edit and manipulate everything on their site without having to understand where WordPress hides everything behind the scenes.“ (Matt Mullenweg)

Den Blick hinter die Kulissen zu verschleiern hat sicher unter anderem dazu geführt, dass der neue Editor Gutenberg, den es schon vorab als Plugin zu testen gab, mit nur zwei von fünf Sternen bewertet wurde. Mullenweg ist jedoch überzeugt, dass ein Schritt nach vorne notwendig aber am Anfang immer ungewohnt sei.

Dabei bringt der Wechsel zur weniger technisch wirkenden Ansicht in Richtung Benutzerfreundlichkeit aus Entwickler-Sicht auch viele Vorteile mit sich. Durch die Trennung von Darstellung und Inhalt können Code-Strukturen durch einen kleinen Fehler nicht mehr so schnell zerstört werden, wie es bisher im klassischen Text-Editor möglich war. Hier waren HTML, Shortcodes sowie Inhalt starr miteinander verbunden.

Außerdem bietet WordPress Entwicklern die Möglichkeit, eigene Blöcke zu entwickeln. Es lassen sich sowohl klassische (statische) Blöcke implementieren, wie beispielsweise eine mit CSS-Stilen versehene Überschrift, als auch dynamische Blöcke, z. B. die Ausgabe des neuesten Beitrags in einem eigenen Layout.

Wer mehr über das Erstellen eigener Blöcke erfahren möchte, sollte einen Blick in die offizielle Dokumentation zur Block API werfen.

Alles kann, nichts muss

Wer aus Gründen der Kompatibilität noch nicht zum neuen Editor wechseln möchte, kann trotzdem zu WordPress 5 updaten, wenn er das Plugin „Classic Editor“ verwendet, das den bekannten Editor TinyMCE wiederherstellt. Matt Mullenweg bestätigt in seinem Blog, dass dieses Plugin noch bis 2022 unterstützt und verbessert wird. Was bis dahin alles mit Gutenberg möglich ist bleibt abzuwarten.

Immer mehr Plugin-Entwickler veröffentlichen Ihre Erweiterungen für den Block-Editor, wodurch sich zur standardmäßigen Auswahl auch Blocks für erweiterte Spalten oder Beitrags-Layouts gesellen.
Auch die Entwickler des weitverbreiteten Plugins „Advanced Custom Fields“ kündigten in ihrem Blog an, mit der Version 5.8 Blocks für Gutenberg zu integrieren, mit denen die Möglichkeiten von eigenen Feldern nun auch in Gutenberg genutzt werden können.

Nach „Bebo“ kommt „Betty“

Ende Februar wurde mit „Betty“ das WordPress-Update 5.1 zur Verfügung gestellt, das vor allem die Geschwindigkeit von Gutenberg verbessern soll. Außerdem werden Administratoren ab sofort Benachrichtigungen angezeigt, deren Websites mit veralteten PHP-Versionen laufen.

In den nächsten Versionen können laut WordPress weitere Verbesserungen für die Editor-Performance erwartet werden.

Quellen:
https://de.wordpress.org/2018/12/wordpress-5-0-bebo/
https://ma.tt/2018/11/a-gutenberg-faq/
https://www.advancedcustomfields.com/blog/acf-5-8-introducing-acf-blocks-for-gutenberg/
https://wordpress.org/news/2019/02/betty/

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