Ist Google Analytics in Deutschland jetzt illegal?

Oliver Schwarzweller im Portrait
Von Oliver
Ein blasses Google Analytics Logo auf einem schwarzen Hintergrund. Davor steht in roter Schrift: Illegal?!

Als ich Anfang vergangener Woche ├╝ber die ├ťberschrift "Google Analytics verst├Â├čt gegen europ├Ąisches Datenschutzrecht" stie├č, habe ich eben mal meinen Morgenkaffee eingeatmet. Wir selbst und weitere ganz grob gesch├Ątzte 86,5% aller europ├Ąischen Unternehmen verwenden Google Analytics. Auch Sie? Und stehen uns nun drakonische Strafen wie in der DSGVO beschrieben ins Haus? Vielleicht nicht heute, aber irgendwann im Morgen. Hier ein paar Tipps, wie Sie aus dem Urteil sogar Profit schlagen k├Ânnen.

Das Urteil aus ├ľsterreich zu Google Analytics ist nur der Anfang

Die ├Âsterreichische Datenschutzbeh├Ârde bezieht sich konkret auf Google Analytics. Doch wissen wir aus Rechtsberatung in eigener Sache, dass die ├ťbermittlung personenbezogener Daten - dazu geh├Ârt auch die IP-Adresse - in die USA aus Sicht der DSGVO ein Versto├č darstellt. Auch, wenn man in Google Analytics eine IP-Anonymisierung eingestellt hat. Jedoch wird die Anonymisierung von Google ausgef├╝hrt. Damit landen die Daten zun├Ąchst bei Google und werden erst dann anonymisiert. Dann ist es allerdings zu sp├Ąt. Warum? Weil den staatlichen Beh├Ârden us-amerikanischer Unternehmen der Zugriff auf deren Daten prinzipiell gestattet ist. Hier liegt der DSGVO-Versto├č. Das gilt auch f├╝r alle anderen Tool- und Service-Anbieter aus den USA. Upsi! Ja genauÔÇŽ

Messbares Marketing im Rahmen der DSGVO

Ich und wir als Reizwerk k├Ânnen Sie nicht rechtlich beraten. Das ist auch nicht die Absicht hinter diesem Artikel. Vielmehr m├Âchte ich Ihnen ein paar kurzfristige Todos und Ideen mitgeben, um f├╝r die Zukunft ger├╝stet zu sein.

Todos zu Google Analytics & Co.

  • Schlie├čen Sie einen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung mit allen Auftragsverarbeitern ab.
  • Stellen Sie sicher, dass mit dem Besuch Ihrer Website ausschlie├člich technisch notwendige Skripte und Cookies geladen werden. Dazu geh├Ârt auch der Cookie-Consent. Und Google Analytics nicht.
  • Bef├Ąhigen Sie NutzerInnen auf einfache Weise der ├ťbermittlung von Daten f├╝r jeden einzelnen Anbieter zu zustimmen oder dies abzulehnen. Au├čer bei den technisch notwendigen Diensten sollten alle anderen grunds├Ątzlich deaktiviert sein. Wiederkehrende NutzerInnen, die bereits die M├Âglichkeit hatten die Einstellungen zur Daten├╝bermittlung zu konfigurieren, sind davon nicht betroffen. Es gilt diese Einwilligungs-Einstellungen zu dokumentieren.
  • Benennen Sie das Risiko hinter der Daten├╝bermittlung in den Datenschutzbestimmungen, sodass Ihre User in die Lage versetzt werden einsch├Ątzen k├Ânnen, was eine Einwilligung in die Daten├╝bermittlung bedeutet.

1st Party Kundendaten sind das Fundament ├╝berragender User Experience

Pers├Ânliche Meinung: Die DSGVO ist gut gemeint, jedoch bescheiden in Ausf├╝hrung und Praxis. Stand heute sind viele Unternehmen auf die us-amerikanischen Anbieter mindestens zur digitalen Kundengewinnung angewiesen. Eine umfassende rechtliche Beratung kann sich aber nicht jedes Unternehmen leisten. Jedem Unternehmen kann ich jedoch raten in Zeiten steigender Anforderungen an die Nutzererfahrung (User Experience aka UX), sich mit Ihren Kundendaten auseinander zu setzen. Denn Daten sind das Fundament f├╝r eine au├čergew├Âhnliche User Experience. Nutzerdaten werden zur Gestaltung der Nutzererfahrung herangezogen. Dazu braucht es eine (1st Party-) Datenstrategie. Die Tage der 3rd Party Daten sind ohnehin gez├Ąhlt.

  1. Serverseitiges Tracking
    Unabh├Ąngig davon, ob Sie dies mit Google Analytics realisieren oder mit einem anderen Analyse-Anbieter (z.B. Jentis, Matomoetracker): Wenn Ihr Unternehmen der Datenverarbeiter ist, dann sind es 1st Party-Daten. Dann k├Ânnen Sie mit diesen Daten arbeiten, Ihre Kunden und deren Bed├╝rfnisse kennen lernen. Und dann das mit der Nutzererfahrung machen. ├ťberragend und soÔÇŽ
  2. Die ÔÇťWebsite firstÔÇŁ-Strategie
    Eine wenig kreative Formulierung, doch trifft sie den Nagel auf den Kopf: Schaffen Sie Gr├╝nde, warum sich NutzerInnen auf Ihrer Website zu erkennen geben. Und wiederkommen. Und Ihnen vertrauen. Und Ihrem Umgang mit den Kundendaten. Bestenfalls per Login. Damit kreieren Sie wieder Kundendaten, die Ihnen helfen Inhalte, Services und Produkte auf die Nutzerbed├╝rfnisse zuzuschneiden.

Chefsache: Digital-Strategie

Wow, ich merke wie emotional ich werde, wenn ich diese Zeilen lese und schreibe. Weil es so wichtig ist! V.a. die Kunden- und/oder Lead-Akquise passiert schon heute f├╝r viele Unternehmen digital. Bestandskunden gl├╝cklich machen und neue Kunden begeistern. Ein einfaches unternehmerisches Rezept. Im Mittelpunkt dieses Rezeptes steht die eigene Website. Machen Sie sich nicht zum Spielball einiger weniger Digitalkonzerne. Fangen Sie jetzt an ├╝ber Ihre Digital- und Daten-Strategie zu reden. Machen Sie dies zur Chefsache.

Ich freue mich ├╝ber weitere Meinungen in den Kommentaren. Und wenn Sie diesen Artikel m├Âgen, dann freuen wir uns, wenn sie ihn und Ihre Meinung dazu auf LinkedIn und XING teilen. Oder uns dort folgen: Linkedin - XING

Update zu Google Analytics-Alternativen vom 22.02.2022

Mein gesch├Ątzter Kollege Steve hat zwei kostenlose, DSGVO-konforme Webanalyse-Anbieter miteinander verglichen. Lesen lohnt sich!

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